GEORG SOLZ

M E D E A

Index



© Georg Solz 2016 – 2018, Record D 4, Medea, June 2016, Hampshire, free heterometric verse, Greek theatre, German.




DRAMATIS PERSONAE


JASON, bürger der polis
MEDEA, Jasons ehefrau
FATIMA, Medeas freundin
AGAMEMNON, [hier] Jasons vater
BOTE des richters, amtmann
CHOR der coolen


ORT: im wohnzimmer



Prologos

MEDEA. JASON.


MEDEA:
Bei mir wirst du dich wundern, mein lieber!

JASON:
Wie. noch mehr?

MEDEA:
                              Genau! dir werde ich es zeigen,
Jason, ich werde es dir zeigen. mit huren
verkehrst du am liebsten, das sei dir gegönnt,
ist mir eh egal. du bist aber ein dummkopf 5
und weisst nicht warum? tja, überleg dir gut
was du mit mir tust, Jason, überleg's dir:
wenn du denkst, du kannst mich wegschmeissen
wie dreck in den müll, da kannst du mich mal,
da wirst du was erleben, das sage ich dir. 10

JASON:
Ach? ich werde was erleben?
was hast du mir zu zeigen, Medea.
komm, sag schon! hast du eine waffe
oder was. sag es hier und sofort,
hier und nicht hinter dem rücken 15
wie es deine art ist. hab doch mut,
ich warte. ich höre deine komische
drohung, sag es mir ins gesicht
wenn du es wirklich kannst, jawohl!

MEDEA:
Wow, wie der sich voll anpreist, der mann 20
ohne angst, wie geil, wie toll, wie mutig.
wen willst du mit dem quatsch beeindrucken.
ich sag es dir ins gesicht jetzt wie immer
wenn du wirklich eines hast: wenn du denkst,
du kannst mich voll und ganz benutzen, betrüger, 25
und jetzt wie den letzten deiner verdreckten
kondome wegwerfen, wie die letzte schlampe
beim puffrabatt, da irrst du gewaltig.
du möchtest wirklich mit dem feuer spielen?
kennst du mich so wenig. du zweifelst noch 30
wenn ich sage, es wird nicht so bleiben?

JASON:
Dich, Medea, kenne ich aber sehr wohl,
natürlich, wie kann ich es je vergessen,
wie wir uns damals kennengelernt haben:
hinter dem kiosk hast du mir einen geblasen! 35
wie. du hast jetzt was gegen nutten,
nachdem du das jahrelang gemacht hast
in der hoffnung irgendwann einen doofen
touristen wie Jason zu schnappen? na?

MEDEA:
Du meinst den tag, wo du gesagt hast, 40
du kannst nicht ohne mich leben? nüchtern,
wohlgemerkt, das war noch am mittag
vor der sauferei. spät in der nacht
gibst du mir die ganze kiste zu trinken,
und wenn ich mich zum kotzen umdrehe 45
legst du mir was in den mund, super.
und jetzt bin ich die schlampe sogar!
meine güte, bei dir geht es ja weit
mit der vorstellungskraft! wunderbar
nach dem motto: ich liebe dich, Medea, 50
ach, Medea, komm nach hause mit mir,
wir gehören zusammen, schatz, für immer!

JASON:
Da hast du vollkommen recht, Medea,
da habe ich überhaupt nichts einzuwenden.
du erläuterst genau die art und weise, 55
wie du mich aus ganz niederen gründen
geschnappt hast. erzähle denn weiter!
du hast ja geheiratet, kinder gekriegt
wie du wolltest, aber sicher, klar,
und jetzt? jetzt soll ich zum versorger 60
deiner kinder werden, oder. so nicht,
nicht so! es sind ja meine kinder,
die bleiben bei mir, du gehst allein!

MEDEA:
So stellst du dir das vor, Jason?
ist das wirklich dein letzter plan. 65

JASON:
Wie denn nicht. soll ich ja zum clown
werden oder was. du nimmst die kinder
mit dir in diese anatolische kloake
wo du herkommst, vergnügst dich weiter
hinter dem kiosk und der Jason hier, 70
ich soll das bezahlen? träume weiter,
mädchen, träume weiter.

MEDEA:
                                   Beeindruckend!
ich bin echt baff! wenn ich nur denke,
dass ich dich damals doch geliebt habe. 75

JASON:
Du nennst es liebe? aha! ich auch,
ich war auch einer von denen, die du -
egal. mit uns geht es nicht weiter!
seit wir hier zusammen wohnen, Medea,
sitzt du nur den ganzen tag herum 80
mit deinem gebetsbuch und dem tuch.
du verachtest voll und ganz mein land,
du wolltest dich nie integrieren!
nicht mal die sprache kannst du richtig,
du sprichst gebrochen wie zum kotzen, 85
es tut den ohren weh dich zu hören.
vom ganzen rumsitzen bist du dicker
und dicker geworden.

MEDEA:
                                   Ach, das auch?

JASON:
Das auch! und mach dich nicht lustig!
ein mann hat doch sexuelle gelüste, 90
verdammt noch mal, das gehört ja dazu:
ich will doch sicher eine frau ficken
die sich pflegt und attraktiv aussieht.
das tust du nicht, das willst du nicht,
ich war dir immer egal, so ist das. 95
du wolltest nur in dieses land ziehen.

MEDEA:
Weisst du, Jason, es gibt ja auch tage
wo du was richtiges sagst. dein schwanz
begeistert mich nicht mehr so richtig,
nein, nicht mehr als deine kinder: meine! 100
die ich lieber pflege als mich selbst.

JASON:
Ach nee, so ein opfer kannst du erbringen!

MEDEA:
So ist das! und lass mich noch mehr sagen
da wir beim sex sind. du willst erfahren
warum ich lieber kotze als dir einen blase? 105
seit du angefangen hast diesen shemale
aus Rio de Janeiro zu ficken, denselben
den du - wo noch mal kennengelernt hast:
beim katholischen familientag? ach so! -
seit du mit deinem tollen sambatänzer 110
rumbumst, seitdem hat sich was geändert,
jawohl: dein schwanz ist nun entzaubert
wenn du es genau erklärt bekommen willst.

JASON:
Ich will mich nicht begeben, mein kind,
auf deine sprachebene. ich möchte dazu 115
nur noch das sagen: der sambatänzer,
oder wie auch immer du Laura nennst,
kümmert sich um diesen meinen schwanz
viel besser als du.

MEDEA:
                              Das freut mich!
du hast jetzt jemanden der zu dir passt 120
und keine kinder von dir befürchten muss.

JASON:
Wie, befürchten? mach dir keinen kopf,
die kinder werden dich nicht lange belästigen.
sobald die scheidung erledigt ist, zack,
verlässt du mich, mein land und meine kinder. 125

MEDEA:
Du und dein land sind mir scheissegal!
aber meine die kinder, die behalte ich,
die sind nicht deine, die sind meine.

JASON:
Das werden wir sehen!

MEDEA:
                                        Das werden wir sehen!


Parodos

CHOR.


CHOR:
Mal gucken wie sich alles entwickelt, 130
das ganze theater mit Medea und Jason.
sieht schon krass aus, das muss ich sagen.
na ja, es heisst, die frau muss abhauen,
so einfach ist das. nach der scheidung,
meine ich, wenn sie sich wirklich trennen, 135
muss sie weg. bei uns ist es halt so,
und ob der sie verstossen hat oder nicht
ist völlig egal. und die kinder bleiben.
die wurden hier geboren, sind hier zu hause.
nur, ich finde es schon ein bisschen blöd 140
dass Medea sich so schnell verpissen muss,
das ist nicht nett. aber so ein skandal
ist es auch nicht, das ist nur die natur
und so ist das gesetz: nicht jeder fremde
darf bleiben und die darf eben nicht. 145
früher war das einfach, das räume ich ein,
aber jetzt mit der neuen partei unmöglich.
ich meine, Medea hat ja zig jahre gelebt
da drüben wo die herkommt, und sicher
kriegt sie es jetzt auch hin, aber klar. 150
ab und zu kann man natürlich anrufen
die kinder und so, das macht man einfach,
das gehört dazu, mein Gott, hier bei uns,
das ist doch keine diktatur wie damals
die schweinerei. die sache wird dezent 155
geregelt, alles paletti und zivilisiert.
ich weiss nicht woher so ein gerede kommt
dass man hier bei uns sich nicht benimmt
und fremde nicht mag und dies und jenes:
das sind doch lügner, schweine sind das! 160
wo hat man ein boot gesehen voller leute
wo die besatzung meinte: wir helfen jedem,
kommt nur zu, hier passt schon jeder, kommt!
geht einfach nicht, das ding muss kentern.
das herz ist gross, die welt ist aber klein, 165
da muss man schon genau arrangieren, gucken,
wohin ein jeder gehört und ist und bleibt.
denn eines ist sicher, das sage ich euch,
das könnt ihr schreiben sogar: nicht jeden
können wir einfach so unterhalten und retten. 170
der eine darf bleiben, der andre muss weg,
muss seine sachen packen, kind und kegel
und alles und raus hier, schluss, vorbei.
nur, es ist schon krass, dass es diesmal
gerade einen menschen wie Medea trifft. 175
die ist bestimmt keine banditin, nein,
die benimmt sich, die dürfte schon bleiben.
na gut, sie muss wahrscheinlich abhauen
aber ich sage es nur: schön ist das nicht.
habe ich schon auch in der kneipe gesagt: 180
schön ist das nicht, nein, aber was soll's?
mein leben war auch kein ponyhof, nönö,
das leben ist schon eins der schwersten.
tja, mal gucken, ich bin echt gespannt
wie die beiden das regeln. echt gespannt. 185


Epeisodion

MEDEA. FATIMA.


FATIMA:
Warum weinst du, Medea, schon wieder,
was ist denn los mit dir? erzähle!

MEDEA:
Du fragst noch? je mehr ich bete
desto mehr verliert sich die hoffnung.

FATIMA:
Hast du schon mit Jason gesprochen. 190

MEDEA:
Es ist so weit, Fatima - vorbei.

FATIMA:
Was hat er dir gesagt. ich höre!

MEDEA:
Er will nichts mehr von mir wissen,
ich soll gehen, die kinder verlassen.

FATIMA:
Ist es wahr ...

MEDEA:
                    ... über diese Laura? 195
das ist wahr, er will die scheidung.

FATIMA:
Wie schade, Medea! sage, meine freundin,
wie ich dir helfen kann, und ich helfe.

MEDEA:
Hilfe? ich habe viel aufgegeben,
so viel, um diesem mann zu folgen. 200
meine heimat warnte mich vergeblich:
hier bin ich, verstossen, unglücklich.
schau in die tiefe meines herzens
und sage nun, wenn du mich liebst,
woran meine liebe gescheitert ist. 205

FATIMA:
Gescheitert ist Jason, wertloser mann,
verräter, nicht würdig deiner tränen.
trockne dein auge, es ist noch zeit,
wir werden bald eine lösung finden.

MEDEA:
Es gibt keine lösung, wovon sprichst du? 210
hast du nicht begriffen dass mein mann
mich hasst und mich wie dreck behandelt.
ich muss die stadt verlassen, schnell,
so wird gesetz und richter sprechen -
doch wohin. zeige wenn du nur kannst 215
den ort wo Medea noch zuflucht findet.
die länder werden die fremde zurückweisen,
nach hause darf ich nicht zurückwandern.
oder weisst du nicht dass dort mein vater
und brüder warten, den dolch ja bereit, 220
um meine unehre mit mord zu strafen.
nie wieder darf Medea, die unglückliche,
die eigene heimat sehen!

FATIMA:
                                        wohin denn.

MEDEA:
sage mir du es, die du hilfe bietest!

FATIMA:
Nein, Medea, so wird es nicht bleiben. 225
Jasons vater ist ein verständiger mann:
dieses unrecht wird er nicht erlauben.
ich werde dein anliegen gut erläutern
damit Agamemnon etwas tut und lindert.

MEDEA:
Wie. du meinst, er kann gesetze brechen, 230
er kann richter kaufen, das land regieren
nach seinem willen nur? es ist so klar
dass mir nichts übrig bleibt als verbannung.
was soll Agamemnon schaffen. selbst der sohn
gehorcht ihm nicht, geschweige denn richter. 235

FATIMA:
Diese traurigkeit gefällt mir nicht.
du musst ja stärke zeigen und kämpfen!
Gott ist gross, meine liebe, er prüft uns,
verlässt uns aber nicht.

MEDEA:
                                        Traurigkeit?
ich weiss schon meine stärke zu zeigen. 240
Jason wird bereuen wie keiner zuvor
was er mir all die jahre angetan hat,
und jetzt auch das noch! o ja, bereuen
wird er alles. ich wage nicht zu sagen
was ihn erwartet, wenn er mir raubt 245
die Kinder nachdem er ehre und heimat
mir schon genommen hat.

FATIMA:
                                        Nicht so!
beruhige dich bitte, sei geduldig
und ziehe lieber vernunft zu rate
als hass. was hast du vor. erzähle! 250

MEDEA:
Die wahrheit, Fatima, worte der rache
behalte ich für mich und für die rache.

FATIMA:
So sollst du nicht denken, Medea,
Jason ist es sicherlich nicht wert.

MEDEA:
Ich darf ja so wenig, meine freundin! 255
lass mich bitte das denken behalten.
es wird sich zeigen ob es sich lohnt
gedanken doch in die tat umzusetzen.

AGAMEMNON tritt ein.

FATIMA:
Da ist er sogar!

MEDEA:
                              Sprich mit ihm!

AGAMEMNON:
Da seid ihr! wo ist denn Jason? 260
ich muss ihn dringend sprechen!

FATIMA:
Ist es etwa über Medeas schicksal
dass Sie mit Jason sprechen wollen.
darüber kann ich auch viel sagen!
oder wissen Sie es noch gar nicht. 265
Ihr sohn hat ein schönes verfahren
gegen Medea eingeleitet, jawohl,
er will allein die kinder haben
und diese unschuldige frau hier,
die muss dann das land verlassen! 270
Sie fragen warum? weil Ihr sohn
es nicht einsieht dass eine mutter,
vom mann verstossen, die eigenen kinder
behalten darf. es ist ihm einerlei
ob Medea noch lebt oder tot ist, 275
ob sie ein dach oder brot noch hat:
alles egal! die muss nur verschwinden,
egal wohin, hauptsache verschwinden!

AGAMEMNON:
Was. ist es wahr, Medea. antworte!

FATIMA:
Sie kann es nicht, ihr fehlt die kraft 280
noch mehr worte zu finden, zu flehen.

AGAMEMNON:
Das ist von diesen beiden lächerlich!
erstens wisse, Medea, es gibt gesetze
in diesem land die mütter beschützen!
zweitens werde ich nicht erlauben, nie, 285
dass Jason sich wie ein schurke benimmt,
es sei denn, er will mich nie wiedersehen
und braucht mein fettes geld auch nicht,
was ich sehr bezweifle. ich bin empört,
ich kann mir nicht wirklich vorstellen 290
dass Jason so etwas vorhat was Sie sagen.
ich muss mich hinsetzen, um Gottes willen,
ich möchte das alles genau erfahren!
wer ist denn diese frau. die ganze kneipe
spricht über sie! das hat er nie erzählt. 300
wie kann das denn sein, was glaubt er.

FATIMA:
Fragen Sie ihn! wenn Jason ein mann ist,
und darauf kommt es jetzt überhaupt an,
wenn Jason Sie noch als vater achtet,
wird er selbst sagen, wer Laura ist. 305

AGAMEMNON:
Laura?

FATIMA:
                    Laura!

MEDEA:
                                        Laura!

AGAMEMON:
                                                            Aha!

FATIMA:
Ich möchte Sie nur um eines bitten:
Medea kann das land nicht verlassen,
sie hat keine freunde, keine familie.
wenn sie zu ihrer heimat zurückkehrt 310
erwartet sie schon der sichere tod,
der mord durch den eigenen vater!
wohin sich wenden wenn der richter
bestimmt, Medea kann ihre kinder
nicht unterhalten und soll nun gehen, 315
die söhne Jason allein überlassen?

AGAMEMNON:
Seit langem wollte ich diesem hund
das ein oder andere wort ja sagen.
allzu lange musste ich meine hände
bändigen, geduld und wunder üben. 320
jetzt ist deine zeit gekommen, Jason!
jetzt wirst du was richtiges erleben!
wo ist er aber. ruf ihn an, Medea,
er soll sofort erscheinen und sagen
was der quatsch soll. langsam reicht's: 325
er kann zwar mein sohn sein, jawohl,
aber von arschlöchern, junge frau,
von arschlöchern habe ich die faxen dicke!

CHOR:
Den Jason habe ich gerade gesehen
in der kneipe. der redet nur noch 330
über Laura, geht mir auf den geist.

AGAMEMNON:
Und wann kommt er denn.

CHOR:
                                             Müsste bald
schon da sein, sein zeug zu packen.

AGAMEMNON:
Wie, packen?

CHOR:
                         Ja, der zieht aus,
hat er gesagt, zusammen mit Laura. 335

AGAMEMNON:
Nimmt er die kinder mit.

CHOR:
                                        Selbstverständlich.

MEDEA:
Jason hat gerade eine SMS geschickt,
ist in zwei minuten da. ihr lieben,
ich kann dieses gespräch nicht mehr
ertragen und nicht ertragen demütigung. 340
ich gehe bevor er mich fertig macht
vor euch in jeder hinsicht, schon wieder.
mal gucken ob ihr ihn überzeugen könnt
ein bisschen, nur ein bisschen zu bedenken
meinen fall und mein schicksal. o mann! (ab.) 345

FATIMA:
Warte, Medea!

AGAMEMNON:
                         Warten Sie, Fatima,
da kommt anscheinend Jason, hören Sie?

FATIMA:
Das muss er sein, wer sonst und wie?

AGAMEMNON:
Jason, bist du es.

JASON tritt ein.

JASON:
                              Was machst du hier, vater.
für dein rummeckern habe ich keine zeit. 350

AGAMEMNON:
Ich sollte dir eine in die fresse hauen
und sie dir schön polieren, aber sofort!
setz dich doch hin, bandit, und hör zu:
was für ein gerede ist das in der kneipe
dass du mit dieser neuen nutte rumfickst. 355
was hat die mutter deiner kinder getan
um solch eine schweinerei zu verdienen.

JASON:
Vater, ich möchte dir nur eines sagen:
in das private leben eines paars, okay,
sollte sich keiner einmischen, keiner! 360

AGAMEMNON:
Super! was ist denn noch privat bei euch
seit du überall von deiner frau redest
wie vom letzten dreck. diskretion, Jason,
und respekt stellst du dir wirklich so vor?
sage zuerst: wer ist diese Laura, verdammt. 365

JASON:
Ich möchte mit dir nicht streiten, vater,
darum sage ich dir ganz klar und ruhig:
von Medea will ich nichts mehr wissen.
die liebe meines lebens heisst Laura!

AGAMEMNON:
Dass du Medea nicht liebst, mein sohn, 370
dafür kann ich nichts - trotzdem schade.
aber Medea wird bleiben was Medea ist:
die mutter deiner kinder! ja, was denn.
du kannst sie nicht einfach wegtilgen
aus deiner vergangenheit, so ganz simpel 375
auf einmal trennen mutter und kinder,
für immer trennen. schämst du dich nicht.

JASON:
Was soll ich denn sonst. soll ich Medea
die zukunft meiner kinder überlassen.
weisst du wirklich wem du deine enkeln 380
anvertrauen möchtest.

AGAMAMNON:
                                   Kläre mich auf!
sage was an dieser frau so schlecht ist
dass sie es nicht verdient, mein Gott,
mutter ihrer kinder zu sein. na! sprich!

JASON:
Also, bist du bekloppt oder was. 385
du hast sie wohl nicht alle, oder.
seit dem ersten tag in dieser wohnung
kümmert sich Medea um ihr gebet,
um ihr tuch und nur noch darum.
sie hat sich nie wirklich integriert 390
und wollte es nie. bist du taub.
tun deine ohren echt nicht weh
wenn sie den mund aufmacht, gebrochen
wie ihre aussprache klingt, pfui,
sie kann sich kaum artikulieren. 395
das ist hier mein Land, meine leute,
hier bin ich aufgewachsen, mit denen
möchte ich sein die meine werte tragen,
meine kultur. was habe ich gemeinsam
mit Medea die nur noch rumbetet. 400
sie passt sich einfach nicht an
und das geht mir echt auf den keks!

FATIMA:
Nein, Jason, entschuldige mich bitte,
da muss ich dir zwei worte sagen:
Medea war immer voll dabei und voll 405
motiviert beim integrationskurs
von anfang an, denn sie liebt dich.
die lehrerin war ganz stolz auf sie.
sie hat auswendig gelernt, ganz allein,
das bruttosozialeinkommen des landes 410
in den letzten zwanzig jahren, jawohl,
das kann sie noch jedem vortragen.
ich habe alle ihre kursbescheinigungen,
sie hat alles summa cum laude bestanden.

JASON:
Was das viech auswendig kann oder nicht, 415
das ist mir aber völlig scheissegal.
ich kann meine frau nicht mehr ertragen,
ich kann sie nun mal nicht mehr sehen,
ich verschenke sie jedem der sie will.
die kann machen was immer sie möchte 420
von ihrem leben, ich habe nichts dagegen.
nur die kinder möchte ich ja behalten
damit sie eine richtige zukunft haben,
nicht zu bombenlegern werden und allem,
terroristen, fanatikern, weiss der geier. 425

AGAMEMNON:
Ich muss mich wirklich hinsetzen, Jason!
kann ich ein glas wasser haben, Fatima?

FATIMA:
Aber sicher!

JASON:
                    Die gläser sind da oben.

AGAMEMNON:
Tja, Jason, was soll ich alles sagen
zu deinen grandiosen gedankenfürzen, 430
so vielen auf einmal. ich bin schockiert.
als vater muss ich dir doch eines sagen:
schon früh habe ich erahnt, ja bemerkt,
was für ein arschloch du werden solltest,
ein versager, mein lieber, sondergleichen. 435
ich habe so viel versucht, ja tag für tag
habe ich versucht was dagegen zu tun.
ich habe dich zu guten schulen geschickt,
ich habe geld in dich investiert. arbeit?
ich habe dich sogar in der firma eingestellt. 440
du wolltest nie was festes, nur feiern.
dann kamen die reisen. durch alle exotischen
strände der welt bist du besoffen gegangen,
in jedem von denen hast du frauen gesehen,
gefickt, geschwängert vielleicht, und betrogen. 445
du bist ja voll und ganz ein auf-und-davon,
und schliesslich hat das schicksal gewollt
dass deine billigflüge dich an Medea bringen,
die arme frau deren einziger fehler es war
dich zu lieben. dafür zahlt sie den preis. 450
hast du vielleicht etwas dazu zu sagen.

JASON:
Ich habe immer gewusst, vater,
was du von mir denkst und so.
ein arschloch siehst du in mir?
so was hast du aus mir gemacht! 455
ich durfte nie tun was ich wollte,
alles was ich machte war scheisse.
die schule, die arbeit und alles
musstest du bestimmen, jawohl,
sogar die frau. langsam reicht's! 460
wenn du so wenig von mir hältst
verschwinde ganz von meinem leben.

AGAMEMNON:
Das lässt du selbst nicht zu, mein lieber!
jemand muss deine kneipenrechnungen zahlen,
deine partys, dein koksen, die hurerei. 465
ich ziehe mich zurück, du rufst aber an
nach einer weile, du schickst briefe sogar.
ich muss dir was bitteres sagen, tut mir leid:
in unserer beziehung zueinander, mein sohn,
bin ich nicht wirklich der der hinterherläuft. 470

JASON:
Schon gut! ich brauche dich nicht mehr,
ich habe einen neuen job beim supermarkt.
hau einfach ab mit Medea und das war's.

AGAMEMNON:
Und du behältst allein die kinder?
du bist echt so von dir überzeugt 475
dass du glaubst, du kannst erziehen
deine eigenen kinder? wie lächerlich,
Jason, wie lächerlich machst du dich.

JASON:
Aber so ist das! der fall geht vor gericht,
der richter wird in meinem sinn entscheiden, 480
das hat mir schon der anwalt versichert.
morgen, sagt er, ist es schon so weit.

AGAMEMNON:
Überleg dir gut, Jason,
ob du das machen willst.
ist dir wirklich egal 485
die zukunft deiner frau?
Medea wird abgeschoben,
die keine zuflucht hat.
kehrt sie wieder heim,
die wird sofort ermordet. 490

CHOR:
Was hast du denn vor, Jason. mann!
das ist doch keine lebenseinstellung,
das ist ziemlich feige, mein kumpel.

JASON:
Die ist doch erwachsen, die findet sich zurecht:
soll doch weniger beten und länger arbeiten. 495
was ich entschieden habe, das ist entschieden.


Stasimon

CHOR.


CHOR:
Tja, das sind immer dieselben geschichten:
wenn der schwanz gen himmel guckt
und vor geilheit strotzt,
da spielt es keine rolle ob das vieh 500
vom norden kommt oder süden, aus Thailand,
Mallorca oder Rio de Janeiro.
je exotischer desto geiler das stück,
hauptsache rein damit: ich komme, ich komme.
dann nimmt man das tolle sexzeug mit nach hause 505
und da fällt der groschen erst:
gewinnmaximierungsprozesse bedingen
in hochindustriellen leistungsgesellschaften
das leben aller, und wer da wenig bietet,
sich nicht integriert, für den ist kein raum, 510
der muss eben zurück nach Thailand,
Marokko, weiss der geier wohin,
woher auch immer der kam.
so ist das:
nach der multikultigangbang hinter dem kiosk 515
kommt die völkerscheidung. genau,
da wird man feststellen, es gibt einfach völker
die nicht zusammenpassen.
mag auch wahr sein, und der typ hier,
Agamemnons sohn bildet sich jetzt voll ein, 520
sein volk und Medeas sollen sich nicht mischen,
gehören nicht zusammen. nur, wie soll das hinhauen.
das hätte er sich vorher überlegen sollen,
bevor er es ihr am strand besorgte
und sein gaggingvideo ins netz hochlud. 525
Jason hätte Medeas land, das verachtete,
gar nicht betreten sollen statt
sich geil und gierig
fickstücke im bunten exotenpuff auszusuchen.
wie denn nicht. 530
man muss die sache beim namen nennen:
Jason hat jetzt zwei kinder gekriegt, super,
die haben das blut von einem volk
von dem er sich scheiden will.
was soll ich dazu sagen, ich, 535
ausgerechnet ich. ich weiss ja genau
dass ich voll und ganz ein banause bin,
ich gestehe es, aber meine meinung bleibt
meine meinung, ich kann ja nichts dafür.
meine gedankenfürze behalte ich schon für mich, 540
ich bin nicht so wie Jason der so rumprahlt
in der kneipe von wegen der völkerscheidung
und der neuen partei und dies und das.
ich sage es mal so, nur unter uns, klar:
das schöne wäre dass jeder bleibt 545
in seinem land und ende. schluss.
wo es keine völkerschweinerei gibt,
da braucht es auch keine völkerscheidung.
das wäre das ideale. aber es ist nicht so
und ich nehme es so wie es kommt, 550
mein Gott, was kann ich dagegen, was soll's.
Jason aber, der muss schon aufpassen.
ich habe irgendwie das bauchgefühl,
Medea wird's ihm schon zeigen.
mal gucken! ich muss diese beiden ansprechen, 555
vielleicht überlegt sich's noch zweimal
der ein oder andere, wer weiss,
bevor sie scheisse bauen.


Epeisodion

MEDEA. FATIMA.


FATIMA:
Beruhige dich, Medea, ich bin hier
auf deiner seite. du sollst vertrauen! 560

MEDEA:
Die entscheidung, Fatima, ist gefallen.
ich habe schon bestimmt verloren.

FATIMA:
Sag doch nicht so einen schwachsinn:
die stadtgesetze schützen die mutter!

MEDEA:
Betrachte mein schicksal und urteile 565
ob in diesem land gesetze übrig bleiben.

FATIMA:
Solange mütter noch übrig geblieben
besteht noch hoffnung, das sage ich dir.

MEDEA:
Was dieses land aus müttern macht
betrachte selbst und sage mir später. 570

FATIMA:
Wenn dir unrecht geschieht, versprochen,
folge ich dir bis ans ende der welt.

MEDEA:
Mir braucht kein mensch mehr zu folgen,
das ende der welt ich nenne mein leben.

FATIMA:
Nicht so, Medea, ich bleibe dir treu! 575
lass uns Agamemnon anrufen, mal gucken.

MEDEA:
Agamemnon kann keine wunder bewirken.
ich muss den Jason ganz alleine bestrafen.

FATIMA:
Wie meinst du das. das ist gefährlich,
das gefällt mir nicht. was hast du vor. 580

MEDEA:
Du wirst erfahren, mädchen, schon bald,
was ich vorhabe wenn ich es vorhabe.

FATIMA:
Jason ist keine rache wert. unrecht
sollst du lieber erleiden als tun. (ab.)

MEDEA:
Wie kannst du ahnen, du liebes ding, 585
wie verwundet ich bin und verloren.
doch jemand naht und klopft an der tür:
bist du es, Fatima. herein, ich höre.

BOTE DES RICHTERS tritt ein.

BOTE:
Medea sind Sie?

MEDEA:
                              Ich bin es, herr amtmann.

BOTE:
Der richter hat sein urteil gefällt. 590
demnach behält Ihr mann seine kinder.
Sie aber können allein in diesem lande
keinen lebensunterhalt bestreiten
für sich selbst, und geschweige denn
für zwei kinder eines redlichen bürgers. 595
Sie müssen daher in wenigen stunden
das land und beide kinder verlassen.
ich darf Sie auch darauf hinweisen,
dass kein appell dagegen möglich ist.
fangen Sie gleich an zu packen, Medea! 600
sollte nach sonnenuntergang die polizei
Sie hier erwischen, sind Sie des todes.
ist die mitteilung Ihnen deutlich genug
oder haben Sie vielleicht fragen dazu.

MEDEA:
Ich verstehe das nicht, herr amtmann. 605
von heute auf morgen soll ich gehen?
ich habe nirgends um mich zu begeben
und kenne niemand der mich empfängt.

BOTE:
Das ist mir völlig egal, das gesetz
vollziehe ich nur: Sie müssen raus! 610
dieser fall hat nicht heute begonnen.
Sie hätten vorher erfahren sollen
dass in Ihrem fall die verbannung
nach dem urteil schon sofort wirkt.
haben Sie denn keine koffer oder was. 615

MEDEA:
Aber war das nicht so, herr amtmann,
dass gesetz mütter vor schande schützt?
die stadt ist verpflichtet verstossene
mütter zu unterhalten, damit sie erziehen
die kinder der stadt wie es sich gehört. 620

BOTE:
Was sich neuerdings gehört ist dies:
schmarotzer haben wir schon genug
und wollen keine fremden dazunehmen,
denn das wäre ja die letzte schande!
ausserdem: es hat sich alles geändert, 625
gesetz und verfassung, recht und sitte.
wenn des landes belange Sie interessierten
hätten Sie wohl von reformen gewusst.
doch mit weibern Ihrer art und ausländern
habe ich nicht zu debattieren. verstanden? 630
raus ist raus! weg mit Ihnen, aber sofort!

MEDEA:
Jawohl, herr amtmann, ich verstehe.
ich fange gleich an zu packen.
wie lange gestatten Sie es mir
mit meinen lieben söhnen zu sein? 635

BOTE:
Ich tue Ihnen diesen gefallen, Medea:
bis zur dämmerung dürfen Sie bleiben.

MEDEA:
Das ist aber sehr grosszügig von Ihnen,
mein herr, ich muss nur Jason anrufen.

JASON tritt ein.

JASON:
Sag es gleich vor meinem gesicht! 640
willst du noch was von mir haben.

MEDEA:
O Jason! mein gutgemeinter ehemann,
zu spät erkenne ich meine fehler.
ich sehe jetzt wie liebesunwürdig
ich bin, eine unkultivierte frau 645
die dich in jeder hinsicht beleidigt,
die ihre strafe voll und ganz verdient
und erbittet sogar. behalte die kinder!
du kannst sie besser erziehen als ich:
viel höher ist die kultur deiner stadt. 650
ich knie vor dir und bitte nur um eines:
erlaube dass ich in deinem land bleibe!
ich brauche kein geld und keine hilfe,
ich möchte nur den kindern nahe sein,
sie gelegentlich sehen wann auch immer 655
es dir beliebt. ich werde gehorchen,
werde mein ganzes leben für dich beten
und dankbar sein für deine wohltat.

BOTE:
Das entscheidet der richter allein.

JASON:
Du hörst ja, Medea, was kann ich dafür? 660
ich sehe schon dass du jetzt bereust
die worte von damals wie ich warnte.
ich weiss es wohl zu schätzen und wünsche
dir alles gute. bleiben darfst du nicht.
du musst deinen weg gehen, so ist das, 665
bei uns hast du dich nie wohlgefühlt.
die rückkehr in deine alte heimat
wird dir guttun.

MEDEA:
                              Weisst du nicht
dass mein vater mit dem dolch erwartet,
meine brüder, das ganze dorf bereit? 670
ich bitte um so wenig, Jason. bitte!

JASON:
Du gehst mir langsam auf den geist.
nimm doch deine burka mit und schluss,
da wird dich keiner erkennen, du schwein.
guck dich doch an! hast du keinen spiegel. 675
hältst du dich für so viel wert, Medea,
dass du denkst, jemand gibt sich die mühe
dich zu töten?

BOTE:
                    Bei uns gibt es gesetze,
so was kommt nicht vor dass ein vater
seine tochter unbestraft tötet, nein. 680
das zeigt ja genau das niveau des volkes
wo diese frau herkommt, um Gottes willen.

JASON:
So ist das!

BOTE:
                    Das sollte Ihnen, Jason,
als eine lehre fürs ganze leben dienen.

MEDEA:
Genau! niveau hat ja der sambatänzer 685
der mit dem arsch auf dem schwanz
des kultivierten mannes tanzt, oder.
wissen Sie noch nicht, herr amtmann,
dass meine nachfolgerin ein ausländer,
ein shemale aus Rio de Janeiro ist. 690
bravo, Jason! verarsche deine stadt!
deinem papa hast du's auch nicht erzählt.

BOTE:
Ist es wahr, Jason, was ich höre.
ich ziehe mich lieber zurück
um nicht mehr erfahren zu müssen. (ab.) 695

JASON:
Tja, Medea, wieder hast du es geschafft,
aber feiere bitte nicht allzu lange
und fange an deine koffer zu packen.

MEDEA:
Jetzt sind wir endlich wieder allein!
ironisch, oder. wer hätte gedacht 700
dass es mit uns so enden sollte.

JASON:
Ich habe mir oft die frage gestellt
wie ich das so lange aushalten konnte.

MEDEA:
Die frage die ich mir stelle lautet:
was habe ich getan, mein lieber Gott, 705
um einem so falschen herzen wie deinem
zu begegnen und dich sogar zu lieben.
du denkst, ich hasse dich, nicht wahr?
ich bin sicherlich wütend auf dich.
du hast mich in jeder weise betrogen, 710
du hast mich wie ein spielzeug benutzt
bis ich dir jetzt so verbraucht erscheine.
o Jason, du müsstest eine frau werden
um nur zu verstehen wie viel des lebens
ich habe geopfert um dir zu folgen, 715
die ich an deine versprechen geglaubt.

JASON:
Ich hasse dich auch nicht, Medea.
es ist so, die liebe geht zu ende.

MEDEA:
Ich gebe dir vollkommen recht
und dennoch lügst du wieder. 720
du hast mich niemals geliebt.
ich merkte damals den Schein
deiner augen und deine seufzer
wenn wir uns jede nacht trafen.
sie dienten mir als liebesbeweis. 725
aber die zeichen deiner seele
hatten mit liebe wenig zu tun.
deine regung war die frivolste:
du wolltest mich alleine haben.
als siegesbeute deines abenteuers 730
hast du mich hierhergebracht
um die freunde zu beeindrucken,
beneidet zu werden nach dem motto:
die exotische frau hier, seht,
die gehört mir, das ist mein vieh, 735
die ficke ich allein, das weib,
das habe ich im urlaub gejagt.
so hast du schön imponiert,
zum mindesten eine zeit lang,
bis die beute dir egal war. 740
mein leben war dir auch egal,
meine hoffnungen, meine kinder.
du kennst mich überhaupt nicht.
weisst du die tiefe der träume,
die ich einst im herzen trug. 745
ich habe viele fehler gemacht,
aber nie einen menschen verletzt,
nicht wie du mich verwundet hast.
die waffe war dein falsches herz.
betrug! du hast mich glauben lassen 750
dass du mich gar über alles liebst.
für dich bin ich ein klagendes weib,
ich weiss, Medea jammert nur herum.
mancher schlag verwundet jeden,
täglich wiederhole ich die klage, 755
die lange weile meines leides:
ich war so voller unschuld einst,
so glücklich wo ich war, so ruhig.
ich suchte durch den weg des guten
erfülltes leben und herzensopfer - 760
habe Gott um einen mann gebeten
der mich die wahre liebe lehrt.
und Gott hat mir den mann gegeben
der mich den grössten schmerz gelehrt.
wie töricht, an worte zu glauben! 765
viele haben mich vergeblich gewarnt
und mit dem tode sogar gedroht.
wie soll ich klagen zum himmel
und gegen den zorn meines vaters
und weinen dass ich verloren bin, 770
mir nimmer zurückzukehren erlaubt?
wie soll ich mein leben verteidigen
wenn ich nur noch den tod verdiene?
womit vergelten sonst einen menschen
der gegen die warnung so vieler freunde 775
so falsch und niederträchtig handelt?
ich habe ja mein leben verworfen
um deine sommerschlampe zu werden.
dass du mich nie wie deine frau
oder irgendeine richtige frau 780
behandelt hast wundert mich nicht:
ich bin was ich zu sein verdiene.

JASON:
Du machst dir zu viele gedanken,
das bezeugt ja deine weiblichkeit.
aber, Medea, ich bitte darum: 785
du sollst nicht weiter philosophieren
ob ich dich je geliebt oder nicht.
wird ein mensch beweisen können
was sich nur ganz im inneren regt?
könnte irgendein wort von mir 790
dein vorgefasstes urteil ändern?
du dramatisierst die sache zu sehr:
millionen scheiden sich jedes jahr,
das leben geht ja wunderbar weiter.
die ganzen gesetze dieses landes 795
habe ich nicht geschrieben, Medea,
als dass ich noch die absicht hegte
dir schaden und leiden zuzufügen.
nicht schaden, scheidung will ich,
den rest bestimmt des landes recht. 800
es tut mir leid, ich bin zu hart,
ich weiss, ich muss es aber sagen:
die welt ist grösser denn du denkst,
es gibt ja mehr als meine stadt
und deinen strand für deine zukunft. 805
du findest dich natürlich zurecht!
du musst dich nur zusammenreissen
und dich benehmen wie eine moderne,
emanzipierte frau, eine richtige.
erweise mir lieber dank, nicht groll, 810
dass ich die kinder hierbehalte.
was hast du meinen söhnen zu bieten,
mit welchen werten kinder erziehen.

MEDEA:
Nur in deinem wahnsinn passiert es
dass eine mutter sich freut und bedankt 815
wenn kinder einem so schlimmen vater
zum opfer fallen. denn welche werte
wird Jason meinen kindern beibringen,
ein mensch so unstet wie nur der wind?
doch diesen gefallen werde ich dir tun: 820
ich kläre dich auf über dich selbst.
du glaubst, du liebst diese Laura?
ich muss auch hart sein und sagen
dass einer wie du nicht lieben kann.
du begehrst den arsch des sambatänzers 825
der so exotisch und abgefahren ist.
in sechs monaten ist alles vorbei
und er, oder sie, oder es, deine Laura
wird wissen was ich ertragen musste.

JASON:
Es ist gut, Medea, dass du gehst. 830
so wirst du nicht erfahren müssen
dass ich Laura vielleicht mehr liebe
schenken kann, und länger, als dir.

MEDEA:
Das möchte ich sogar hoffen, Jason!

JASON:
Du hast genug für dich selbst zu hoffen! 835

MEDEA:
Mein herz ist gross und hofft für alle.

JASON:
Beweise doch diese grösse und gehe!

MEDEA:
Grösser ist der beweis den du schuldest.

JASON:
Gerechte schulden bezahle ich nur.

MEDEA:
Du wirst erfahren was gerecht ist! 840


Stasimon

CHOR.


CHOR:
Kam ein wanderfreund und sang:
ich liebe die eine fürs leben.
kam der greise rab und frug:
was weisst du, pilger, vom leben.
kam der wind und fegte die worte: 845
die liebe vergeht in der nacht.
wo bleibt im nebel die eine.

Kam ein wanderfreund und sang:
die liebe gedeiht in der zeit.
der schwarze vogel kam und krähte: 850
o zeit, erbarme dich liebender.
die eine tanzte, sang, aber sah:
der wanderer ging seines weges.
wo bleibt im herzen das wort.

Kam ein wanderfreund und sang: 855
im norden ich liebe die eine,
im süden das herz ist dasselbe.
kam der fliegende rabe der frug:
was schreitet der pilger so eitel.
kam der wind und verwehte gelübde 860
vom norden bis in den süden.

Kam die eine nachts und weinte:
wo bleibt im nebel die liebe.
der greise rabe kam und sagte:
was allzu schnell versprochen 865
vergeht im nebel allzu schnell.
sagte die eine tränenschwanger:
was weisst du, rabe, vom leben.
der schwarze vogel flog und sagte:
ich weiss wo der wind sich legt. 870
wo immer zeit und ort und wort
den mund des wanderers füllt
ist weder wahrheit noch liebe.

Kam der wind allein und seufzte:
zu allen der zeiten und orte 875
ich fegte die reste des lebens.
warum ich wehe, woher, wohin,
wer weiss, so will das schicksal.
und was ich sehe, woher, wohin,
ich weiss, es bleibt dasselbe. 880

Kam der wanderfreund und sang,
der rabe kam und kam und wind,
die eine kam, die tränenreiche.
nur ich allein behalte mein lied
und trinke und bete zum schicksal: 885
erspare zweie meiner freunde,
den wind des unheils verleite.
wie soll ich meine lieder singen
wenn blut den wanderfreund besudelt,
den raben, den wind und die eine? 890


Epeisodion

MEDEA. FATIMA. AGAMEMNON.


AGAMEMNON:
Steh auf, Medea, weinen hilft nicht!
Fatima hat mir schon alles erzählt,
aber es gibt noch hoffnung für dich.

MEDEA:
Welches wunder kannst du bewirken?

AGAMEMNON:
Den fehler eines falschen urteils 895
müssen wir beheben, und zwar sofort.
ich habe den anwalt schon kontaktiert.

MEDEA:
Was bringt das. der amtmann war hier,
ich muss schon meine koffer packen.

AGAMEMNON:
Irgendeine lösung werden wir finden 900
um diese entscheidung anzufechten.

FATIMA:
Du musst aber positiver denken, bitte!
wir stehen auf deiner seite. und du?
willst du wirklich dir selbst helfen.
nur weinen und gegen schicksal klagen, 905
welchen nutzen hast du davon? vertraue!
bittere tage machen erst den weisen:
allzu lange beten wir schon zusammen,
und jetzt ist dir die stunde gekommen
geduld und grösse, bestand zu zeigen! 910
beweise dass nicht ein zufallsschlag
genügt den edlen zugrunde zu richten.

MEDEA:
Was für ein gelaber du redest, Fatima!
machst du dich lustig?

AGAMEMNON:
                                        Fatima hat recht!
der anwalt hat uns beiden versichert: 915
er wird den richtigen antrag stellen
und alles wird sich zeitig regeln.

MEDEA:
Ihr werdet selbst die wahrheit erfahren,
denn gleich erscheint der bote wieder.

AGAMEMNON:
Er soll was erleben wenn er kommt. 920
ich muss dir was sagen, tochter,
damit du zuversichtlich bleibst:
egal was uns heute hier begegnet
ich lasse dich nicht im stich!
wenn du die stadt verlassen musst, 925
finde zuerst einen ort der zuflucht
und lass mich wissen wo du bist.
ich überweise dir sofort das geld
für brot und dach und alles weitere.

FATIMA:
Auf guten willen kommt es nur an. 930
geduld hat öfter leben gerettet:
verbittere dich und du bist verloren!

MEDEA:
Die opfer eurer freundschaft
werde ich niemals vergessen!
was soll ich aber tun und wie. 935
soll ich also weiterpacken
oder warten. ich weiss nicht
was wäre noch aus meinem leben
ohne euch. wohin mich wenden,
woher noch die kräfte finden. 940

JASON tritt ein.

JASON:
Hier ist sie!

BOTE DES RICHTERS tritt ein.

BOTE:
                    Immer noch hier?
seien Sie nicht so verwegen, frau!
mein ganzes leben habe ich verbracht
menschen Ihrer sorte zu strafen.
Sie sind ja heute schon die dritte 945
die ich des landes verweisen muss.
noch nie habe ich so was gesehen.
begreift die junge frau noch nicht
dass die zeit schon abgelaufen ist.
wo sind denn Ihre sachen, verdammt. 950
haben Sie nichts was Ihnen gehört.
ja dann bewegen Sie sich gefälligst
und zollen Sie dem recht des landes
gebührende achtung. ein richter befahl,
nicht ich, dass Sie das land verlassen. 955
schluss mit parallelgesellschaften,
mit staatsschmarotzern und fremden.
das können wir uns nicht leisten,
was stellen Sie sich denn vor?
sie verführen bürger des landes 960
um durch diese rassenkleckserei
kultur und traditionen des volkes
zu schänden, zugrunde zu richten,
und wollen auf kosten des staates
leben und terroristen erziehen? 965
du hast sie wohl nicht alle, du.
also los, raus hier, aber sofort!

AGAMEMNON:
Was für ein krimineller auftritt ist das?
für wen halten Sie sich, um Gottes willen?

MEDEA:
Verteidige mich nicht, mein vater! 970

BOTE:
Ich bin hier um gesetze zu vollziehen.
diese frau muss das land verlassen.

AGAMEMNON:
Wissen Sie, wer ich bin, herr amtmann.
ich bin nicht irgendein ausländer
der frisch aus dem boote notgelandet. 975
ich wurde hier geboren genau wie Sie!
ich bin besitzer eines grossunternehmens.
überlegen Sie sich ihre ausdrucksweise
bevor Sie sich an diese frau wenden.

BOTE:
Ist das ein bestechungsversuch oder was. 980
verachten Sie die autorität des staates?
ich kann Sie sofort verhaften lassen!

JASON:
Das ist nicht nötig, alles regelt sich.
du brauchst nur die klappe zu halten,
alter, und der mann macht seine arbeit. 985

AGAMEMNON:
Wie. das lasse ich mir nicht gefallen.

BOTE:
Justizbehinderung wird nicht geduldet!

JASON:
Ist es das was du willst, Medea?
wir hatten doch alles abgesprochen,
ich habe dir alles gute gewünscht. 990
wieso bist du noch nicht fertig.
du baust schon wieder deine scheisse.

MEDEA:
Wovon redest du.

JASON:
                              Du fragst noch?

FATIMA:
Das ist alles meine schuld!
ich konnte nicht einfach zusehen 995
wie schlecht es Medea geht!
ich habe deinem vater erzählt
was hier passiert ist und wie.
Jason, du bist kein böser mensch,
wir kennen uns ein bisschen. 1000
ist es aber wirklich nötig
dass Medea so schnell verschwindet?
hast du selbst doch keine mutter
die du dir in so einer situation
vorstellen könntest? überlege dir! 1005
es ist nicht viel was sie braucht.

JASON:
Prima! du hast was im leben geschafft.
aber diese frist ist nicht von mir!
ich nehme sie so wie sie kommt.

BOTE:
Woher sie kommt kann ich wohl sagen: 1010
sie kommt von der justiz, jawohl,
die jeden immer gleich behandelt.

JASON:
So ist das! was machen wir jetzt.
morgen wird gegrillt bei Laura
und alles ist fertig für mittag. 1015
das war schon seit tagen vereinbart,
das fleisch kann nicht so lange warten!

MEDEA:
Wenn Sie es erlauben, herr amtmann,
dass eine kriminelle sie anspricht,
möchte ich nur erklären was los ist: 1020
ich hatte schon angefangen zu packen
und meine reisetickets reserviert.
da kamen freunde und verwirrten mich
mit falschen hoffnungen und aussagen.
fast wurde ich sogar dazu bewogen 1025
gesetz und sitte ganz zu vergessen.
ich muss mich bei Ihnen bedanken
dass Sie mich an pflichten erinnern:
das leben ohne recht ist schande!
verwirrt aber wie mein denken war, 1030
ich konnte nicht abschied nehmen,
erlauchter herr, von meinen kindern.
schenken Sie mir nur diese nacht
und vor dem morgen verschwinde ich
so schnell ich kann aus dieser stadt 1035
in der ich nicht zu leben verdiene.
ich gehe sofort wenn Sie es befehlen:
ich möchte lieber gehorchen als leben.
wenn Sie es dennoch anders erlauben
und mir die unverdiente gunst erweisen, 1040
die kinder ein letztes mal zu sehen,
vor dem morgen werde ich gegangen sein.
ich möchte lebendig begraben werden
wenn ich mein wort zu brechen wage.

BOTE:
Sie haben schön reden, junge frau! 1045
ein bisschen berührt mich schon
so viel gesabber gleich auf einmal.
hören Sie zu: wir machen das so
wie Sie gerade vorschlagen, jawohl.
diesen aussergewöhnlichen gefallen 1050
möchte ich Ihnen tun. doch bitte:
ich komme vor der dämmerung zurück
und will Sie nicht sehen. verstanden?

MEDEA:
Ich werde Sie nicht enttäuschen.

JASON:
Mich auch nicht wenn du abhaust. 1055
hauptsache du gehst vor dem grillen.

AGAMEMNON:
Das wird nicht so bleiben, herr amtmann!

BOTE:
Was bleibt entzieht sich meiner gewalt.
das amt entscheidet aber wer bleibt! (ab.)

JASON:
Das amt entscheidet auch wer geht! 1060
mache dein leben nicht schwieriger,
Medea, nimm deinen abschied und geh.
ich hole die kinder morgen früh ab. (ab.)

AGAMEMNON:
Was für ein unrecht Medea erlebt.
ich halte, tochter, zu meinem wort: 1065
ich werde dir in jeder hinsicht helfen.

FATIMA:
Rechne auch mit mir! bedenke immer:
lieber unrecht erleiden als tun.

MEDEA:
Ich bitte nur noch um eines:
lasst mich eine weile alleine 1070
und löscht das licht nun aus!
ich möchte abschied nehmen.

AGAMEMNON:
Armes schicksal! (ab.)

FATIMA:
                              Arme mutter! (ab.)

CHOR:
Sieh zu dass du ein grosses übel
nicht mit grösserem gar vergiltst! 1075

MEDEA:
Was ich mir alles anhören musste!
wie konntest du glauben, Jason,
dass ich mir so viel gefallen lasse.
du glaubst wirklich, ich behalte
in meiner brust ein kakerlakenherz? 1080
so nicht, mein lieber, so nicht,
du hast meinen zorn unterschätzt.
dein sieg war nur vorübergehend,
ist eigentlich schon zu ende!
du wirst bereuen mehr als alle 1085
sterblichen zusammen, du mistkerl.
der richter hat sein recht gesprochen?
ein urteil habe ich auch gefällt:
so oft habe ich den typ gewarnt,
ich verdiene respekt, ich bin 1090
mutter zweier kinder. meine rache
wird dich doch wundern, bandit.

CHOR:
Was wird Medea nun alleine machen.
wieso ist alles plötzlich so dunkel.

MEDEA:
Die kinder will der schurke haben? 1095
nein, mafioso, tut mir echt leid!
deine kinder gehören auch mir
und die wirst du nicht kriegen.
niemals werde ich es erlauben
dass meine söhne behandelt werden 1100
wie ich in diesem fremden land!
wie. ich soll mich jetzt begnügen
mit der rolle der zahmen frau?
weil dieses volk nicht fickt
soll ich mich herabdegradieren 1105
zur lieferantin von migrantenkindern,
damit sie schon gleich in der schule
wie dreck und vieh angesprochen werden?
sie sollen lieber sterben als bleiben!

CHOR:
Wirst du wirklich wagen, frau, 1110
die hand an deine kinder zu legen?

MEDEA:
Dem falschen herzen muss ich zeigen,
und auch dem niederträchtigen volk,
welche strafe das arschloch verdient
das eine mutter so feige misshandelt. 1115
wo wurde je so viel verachtung gesehen.
ich habe doch niemandem geschadet,
gemordet, gestohlen, gelogen, betrogen
habe ich nicht! ich habe geliebt
und meinem mann gehorcht und kinder 1120
geboren, erzogen und alle geachtet,
ich, die von allen verachtet werde.
schluss damit! die betende frau,
die dumme kuh beim haushalt gefällt
dem mann nicht mehr? mein auftritt 1125
soll moderner sein und emanzipiert?
kommt, ihr kinder, ich zeige euch was!

CHOR:
Nein, Medea! hilfe, ruft den amtmann,
die frau dreht durch! warte, Medea!

MEDEA:
Nicht länger kann meine klinge warten: 1130
gesetz und recht und sitte versagten!
kommt, kinder, tretet schnell herein,
ich zeig euch das smartphone von papa,
das ist so geil und abgefahren, guckt!

CHOR:
Du wirst es bereuen, verbrecherin! 1135

Die KINDER treten herein.

MEDEA:
Ich zeige euch ein tolles geheimnis!
ist es nicht schön? es glänzt so grün.
aber rot kann es auch voll glänzen!

(Medea ersticht die Kinder.)

doch am ende ist das ganze schwarz!

CHOR:
Verschwinde, du teufel, ungeheuer, 1140
wagst du noch dich sehen zu lassen?

MEDEA:
Vollbracht ist es! es ist vollbracht
mit tränen, mit blut und mit galle.
ich darf nun gehen wohin auch immer
meine schande vor mir zu verstecken. 1145

FATIMA tritt ein.

FATIMA:
Was für schreie sind das, warum.
Gott, steh mir bei wenn ich sehe
was ich wirklich glaube zu sehen!
hast du deine kinder getötet? nein,
o nein, ich erkenne dich nicht mehr. 1150
dein glaube ist nicht mein glaube.
die rache gilt dir mehr als die liebe,
unrecht willst du nicht erleiden,
du willst am liebsten unrecht tun.
ich verlasse dich, falsche freundin, 1155
bevor ich selbst dein opfer werde. (ab.)

MEDEA:
Geh! Medea verdient keine freunde,
keine kinder, keinen mann, kein land.

CHOR:
So weit sollte es kommen.
ich habe versucht zu warnen, 1160
weiss nicht wer tauber war,
der wanderfreund oder die eine.


Exodos

MEDEA. JASON.


JASON:
Hure! hast du meine kinder getötet?
ich wusste, du wolltest mir schaden.
aber das? du hast deine wilderei 1165
und deine niveaulose herkunft
in jeder weise überboten, schlampe.
ich würde dich gleich erwürgen,
könnte ich meine kräfte sammeln
und weniger weinen. scheissleben! 1170

MEDEA:
Ich habe dich doch gewarnt, bandit,
ich wollte nur so wenig von dir.
je mehr ich mich von dir zurückzog
damit du freier lebst und fickst,
je mehr du hast uns alle beleidigt, 1175
die kinder, mich und dich selbst.
du bist ein verwöhntes vatersöhnchen
und hast jetzt die strafe gekriegt
die du vom leben verdienst und von mir.

JASON:
Nein, Medea, deine mittel sind böse. 1180
nur weil du nicht verlieren konntest
hast du zwei unschuldige kinder getötet?

MEDEA:
Ich habe dein falsches herz bestraft
und bestrafe den hochmut deiner stadt.
wie konnte ich dir jemals erlauben 1185
meine kinder nach deiner art zu erziehen.
du würdest sie gar zu verbrechern machen,
zu faschistischen menschenverachtern,
zu frauenhassern, zu richtern des unrechts.

JASON:
Glaubst du wirklich, du wirst entfliehen 1190
mit reinem gewissen?

MEDEA:
                                   Das mass der schmerzen
die mich erwarten behalte ich für mich.
ich brauche nicht länger zu sterben
um blutbefleckt in die hölle zu gehen.
meine verbrechen erkenne ich sofort 1195
und ich hasse verwerfliche mütter
die meinen falschen weg befolgen:
sie sollen sich stellen, so wie ich.
schade dass du so lange brauchst
um deine eigenen verbrechen zu sehen. 1200

JASON:
Willst du unsere taten vergleichen?

MEDEA:
Der wahre mörder hier bist du!

JASON:
Du triffst mich härter als ich verdiene.

MEDEA:
Behandele deine nächste frau
wie einen würdigen menschen, 1205
verachte keine hilflose mutter
und du wirst mehr glück haben.

CHOR:
Mitunter kommt es vor in der kneipe
wie ausserhalb im richtigen leben
dass man viel sieht und nicht weiss 1210
was man sagen soll, wer recht hat.
es tut mir leid um alle die leben
müssen unter dem neid des schicksals,
am meisten bestimmt um den der meint,
er will nur glücklich in ruhe leben. 1215
der zufall bringt ja oft zusammen
naive schuften um beiden zu schaden.


ENDE.